"BOMBENGÜRTEL STATT BOMBERJACKE"

Fachtagung

Am 13. September fand im Rahmen des 25-jährigen Jubiläums die Fachtung „Bombengürtel statt Bomberjacke – Ein(e) Fall(e) für die Jugendarbeit“ in enger Zusammenarbeit mit dem Fachverband Jugendarbeit/Jugendsozialarbeit Brandenburg statt.

Karsten Friedel, Referatsleiter des Brandenburger Ministeriums für Bildung, Jugend und Sport, eröffnete die Tagung im Dialog mit Sascha Quäck, dem Leiter des Blossiner Bildungsbereichs, über ein brandaktuelles Positionspapier aller Landesjugendämter zur Radikalisierung von jungen Menschen und der Rolle der Jugendarbeit in diesem Kontext. Hier ging es vor allem um den Appell, keine Komplettlösungsversprechen für breite gesellschaftliche Problemlagen abzugeben, sondern grundsätzlich gute Jugendarbeit anzubieten, die eben auch präventiv wirken kann.

Auch der nächste Programmpunkt war eine absolute Premiere. Manfred Zentner von der Donau-Universität Krems stellte Ergebnisse einer soeben durchgeführten europaweiten Studie „Providing Perspectives – Preventing Violence“ vor, in denen Jugendarbeiter_innen nach ihren Erfahrungen zu Radikalisierungsverläufen und ihren Handlungsmöglichkeiten befragt wurden. In der Auswertung wurden zum einen deutliche Unterschiede in nationalen Herangehensweisen sichtbar. Zum anderen stellte sich klar heraus, dass neben fachlichen und politischen Voraussetzungen erfolgreiche Jugendarbeit im Kontext von Radikalisierung immer auch auf einer klaren eigenen Position, Problemdefinition und Haltung von Jugendarbeit beruht. Dr. Michael Kohlstruck von der TU Berlin untersetzte diese Position aus seiner Sicht noch einmal dadurch, dass er vor einem „Präventionshype“ warnte und dazu riet, selbstbewusst Herausforderungen zu definieren, die zum einen mit dem Auftrag und zum anderen mit den Ressourcen und Kompetenzen von Jugendarbeit zusammenhängen. Astrid Peters und Dr. Yunus Yaldiz von Demokratie und Integration Brandenburg e. V. wiesen in einem Praxisexkurs auf aktuelle Strategien von rechtsextremistischen und islamistischen Strukturen in Brandenburg hin. Sebastian Müller, Geschäftsführer des Fachverbandes Jugendarbeit/Jugendsozialarbeit Brandenburg rundete das Angebot an Diskussionspositionen ab, indem er klare Herausforderungen beschrieb, denen sich Brandenburger Jugendarbeit in der nächsten Zeit stellen sollte. Dabei wies er auf sich verändernde politische Landschaften genau so hin wie auf die Gefahr der Entpolitisierung von Jugendarbeit.

Der Nachmittagsteil der Tagung war vom offenen Austausch der Praktiker_innen geprägt in vier Gesprächsrunden wurden Fragen spezifischer regionaler Entwicklungen, Fragen von Erfolgen und Misserfolgen, von notwendigen Qualifikationen und passenden Unterstützungssystemen und immer wieder nach den eigenen Zielen und Handlungsmöglichkeiten gestellt. Die Tagung ging zu Ende mit dem Versprechen des Fachverbandes, regional stärker zu unterstützen und dem Angebot des Jugendbildungszentrums, Jugendarbeiter_innen aus dem Land zu einer Runde einzuladen, in dem fachliche Unterstützungsbedarfe in konkrete Fortbildungsangebote „verpackt“ werden können.

    

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