GEMEINSAMKEITEN UND UNTERSCHIEDE

Einblicke in die Internationale Jugendarbeit

Jugendliche aus  europäischen Staaten und Ländern Asiens und Afrikas treffen in Blossin seit mehr als 15 Jahren mit jungen Menschen aus der Heidesee-Region und anderen Brandenburger Gegenden zusammen. Diese Treffen erweitern Horizonte, lassen Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Menschen jenseits der Nationalität sichtbar werden und bilden oft die Grundlage für langjährige Beziehungen, Partnerschaften und Freundschaften. Anne-Laure Leroy, Leiterin des Internationalen Bereichs im Jugendbildungszentrum Blossin, ermöglicht einen kurzen Einblick in ihre Arbeit.

Was unterscheidet eine internationale Jugendbegegnung von einem Familienurlaub?
AL: Der größte Unterschied ist wohl, dass die Jugendlichen bei einer internationalen Begegnung eine viel intensivere Erfahrung mit Gleichaltrigen aus anderen Ländern machen können. Sie verbringen in einer Gruppe gemeinsame Zeit. In der Gruppe wird etwas zusammen geschafft, zum Beispiel beim Planen und Durchführen einer Kanutour oder beim Kochen für die gesamte Gruppe. Und das passiert, obwohl unterschiedliche Sprachen gesprochen werden. Alle tragen etwas zum Gelingen bei. Dabei entdecken die Jugendlichen Gemeinsamkeiten wie gleiche Hobbies, Lieblingsmusik oder den selben Humor, aber auch Unterschiede. Durch den Austausch werden Unterschiede nicht als fremdartig, sondern wertschätzend wahrgenommen und somit Vorurteile abgebaut. Das gemeinsame Erledigen von Aufgaben stärkt außerdem das Selbstvertrauen bei den Jugendlichen. Sie lernen neue Fähigkeiten und wachsen auch mal über sich hinaus. Durch das Miterleben anderer Lebensweisen verändert sich bei manchen auch der Blick auf das eigene Umfeld. Bestimmte Bereiche erhalten mehr Wertschätzung oder es entstehen neue Ideen für den eigenen Lebensraum. Diese intensive Erfahrung entsteht kaum bei einem Urlaub. Hier ist man eher Beobachter und Genießer. Es gibt, wenn überhaupt, allgemeine Gespräche mit Einheimischen.

 

Welche Herausforderungen sind für die Macher in dieser Arbeit versteckt?
AL: Kaum zu verstecken ist der organisatorische Aufwand, der hinter jeder Begegnung steckt. Das gehört einfach dazu – Fördermittelakquise, Planungen und Absprachen mit allen Partnern, Reisebuchung und Abrechnung.
Ein weiterer Punkt sind vertrauensvolle Partnerschaften. Ohne Kooperationen mit Partnern aus Ländern mit denen Jugendaustausche stattfinden sollen, ist unmöglich. Denn diese haben den Kontakt zu den Jugendlichen vor Ort. Für uns heißt das aber auch, Begegnungen über große Entfernungen zu realisieren.
Ebenfalls eine große Herausforderung ist es, die richtigen Teilnehmenden zu finden. Viele Jugendliche und auch Eltern verbinden den Begriff internationale Begegnung mit bestimmten Voraussetzungen beziehungsweise Kompetenzen. Sie glauben, dass Fremdsprachenkenntnisse sehr wichtig sind. Dabei ist es gerade andersherum. Wir möchten Jugendliche erreichen, die Lust auf neue Erfahrungen haben. Dafür braucht es gar keine Kenntnisse der anderen Sprache.

 

Was würdest du dir für deine Arbeit wünschen?
AL: Derzeit steigen die Förderungen für Jugendbegegnungen durch das Deutsch-Französische und Deutsch-Polnische Jugendwerk oder Erasmus+. Das ist ein richtiger Weg, der weitergeführt werden muss. Er zeigt auch, wie wichtig meine Arbeit ist.
Wünschenswert wäre eine noch bessere Planungssicherheit.
Ein Punkt, den ich mir für die Zukunft wünsche, ist eine stärkere Zusammenarbeit auf ganz lokaler Ebene. Und da müssen wir uns wohl auch an die eigene Nase fassen. Die Jugendlichen kommen aus ihren Begegnungen mit so viel neuen Gedanken zum Leben in der Gemeinde, mit Wünschen und Ideen. Die Jugendlichen nehmen sich und ihre eigene Geschichte, ihre Herkunft bewusster wahr, weil sie sich mit anderen vergleichen konnten. Das kann unter anderem auch die Idee des Mitmachens, der Beteiligung in der eigenen Region fördern. Hier haben wir die Chance, einen Schritt weiterzugehen. Wir müssten Möglichkeiten und Wege finden, wie die Jugendlichen ihr eigenes Umfeld aus den gemachten Erfahrungen heraus beeinflussen können.

Weitere Informationen unter www.blossin.de/lernwelt/internationales.

Kontakt
Anne-Laure Leroy
Internationales
E-Mail: a.leroy@blossin.de
Telefon: +49 33767 75-553

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